Blicken wir ein Jahr zurück, so hatten wir schon einige Höhenmeter unter die Skier gebracht. Dieses Jahr schenkt uns der November spätsommerliche Verhältnisse, die noch zu so manchem alpinem Abenteuer einladen. Ein ausgiebiges Studium der Wetterdienste, aber schließlich doch auch ein wenig Glück, bescherten uns ein herrliches Bergwochende.

Gegen Mittag stiegen wir, vorbei an der stillgelegten Schokoladen-Fabrik in Dangio (801 m), zunächst auf breitem Forstweg nach Soli (1295 m), dann auf schmalem Bergweg in immer enger und steiler werdenden Serpentinen hinauf zur Adulahütte des SAC. Nach gemütlicher Rast in der warmen Sonne ging’s zügig weiter zur Capanna Adula des Konkurrenz-Vereins (ca. 3h15min Aufstieg). Die Hütte war bereits winterfest gemacht, der Eingang aber noch durch die Haupteingangstür möglich (der Wintereinstieg erfolg mit Leiter ins Lager). Eine Woche zuvor waren wohl einige Berggänger hier gewesen, nun aber waren wir alleine. Wir genossen einen ruhigen und entspannten Abend in der angenehmen Wärme des Ofens und eine erholsame Nacht, die nur durch den starken Wind, der an der Hütte zerrte, gestört wurde.

Kurz vor Sonnenaufgang starteten wir gegen sieben Uhr in den leicht bewölkten Tag. Von Wester her drückten dicke Wolken über den Alpenhauptkamm und die Walliser Berge, und uns pfiff die ein oder andere heftige Boe um die Ohren. Bald hatten wir den Laghette dei Cadabi (2646 m) erreicht, verliesen den Wanderweg und stiegen, die zahlreichen blauen Punkten folgend, *wie fünf Jahr zuvor den Westgrat des Rheinwaldhorns hinauf. Gehpassagen wechselten mit Kletterstellen. Einige Mal mussten wir in die Nordflanke queren und uns durch teils knie-tiefen Schnee mit Kruste wühlen. Die dortigen, plattigen Kletterstellen erhielten dadurch einen besonderen Reiz. Bald hatten wir P. 3206 erreicht, stiegen steil durch die Schneeflanke hinauf an den Fuss des markanten Turm auf dem Südgrat und standen bald darauf auf dem höchsten Punkt des Rheinwaldhorns (3402 m; ca. 3h15min). Der Wind vertrieb uns bald vom Gipfel und über den Normalweg auf guter Trittspur des vergangenen Wochenendes stiegen wir zügig hinab zu den Adulahütten. Nach eine Mittagsrast im Windschatten der unteren Hütte stiegen wir bei jetzt angenehmen Temperaturen wieder ins Tal hinab. Ein wunderbarer Abschluss eines schönes Herbstes.

Hochtour – WS+, ↗1600m, ↘1600m, 2d

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