Die ersten Sonnenstrahlen irrten bereits durch Atmosphäre, als wir von der Bovalhütte 2495m den unwegsamen Zustieg zum Grat unter die Füsse nahmen. Von der Moräne ging’s durch bröckelige Hänge hinauf zu der markanten Grasrampe, die den Weg zum Geröllfeld unterhalb des Grates freigab. Kurz darauf hatten wir den Einstieg gefunden und montierten die Ausrüstung. Die ersten Meter waren recht bröselig und durch einigen Schnee im Couloir wühlten wir uns zur kleinen Schulter auf 3070m hinauf. In der warmen Morgensonne kletterten wir nun zügig in gutem Fels und erreichten nach einer kurzen Firnpassage den schmalen Turm 3320m. Wirklich sehr luftig das, v.a. mit einer dünnen Schneeauflage in den letzten Metern vor der Abseilstelle kribbelte es in der Magengegend. Nach kurzer Verschnaufpause in der Scharte starteten wir in die letzte Etappe; wir genossen den stabilen Fels und die interessanten Kombinationen beim Klettern. Über den nun doch schon recht aufgeweichten Firn erreichten wir schliesslich den Gipfel des Piz Morteratsch 3751m. Von den übrigen Bergsteigern war nichts mehr zu sehen und wir hielten uns auch nicht zu lange auf. Entlang des Nordgrates stiegen wir in die Fuorcla da Boval 3346m ab. Über zunächst griffige Platten entlang der vielen Farbpunkte, dann durch bröseliges und brüchiges Gestein mit viel Schuttauflage und schliesslich den angenehmen Wanderweg gelangten wir zurück zur Hütte und liessen den Tag mit einer gemütlichen Wanderung zum Bahnhof Morteratsch 1896m ausklingen. Eine lange aber grandiose Tour mit viel spannender Kletterei in herrlicher Gebirgslandschaft.

Hochtour – 17. Juli 2016, ZS-/4a, ↗1300m (6h30min), ↘1800m.