Zeitig hatten wir die Tschiervahütte verlassen und in Gedanken noch bei der gestrigen Tour liefen wir durch die Nacht. Der Zustieg entlang der Moräne zog sich etwas in die Länge, aber endlich waren wir auf dem Firnfeld unterhalb der Fuorcla Prievlusa 3427m angekommen und stiegen in guten Trittschnee hinauf in die Scharte, die wir zum Sonnenaufgang erreichten. Über die in leuchtend rotes Licht getauchten Felsen kletterten wir nun in den beginnenden Tag. Bald hatten wir den Firn erreicht und stiegen in der breiten Spur den Biancograt hinauf zum Piz Bianco. Ein kalter Wind trieb Wolken über den Grat, so dass die Sichtweite zwar teilweise nur wenige Meter betrug, aber die Stimmung dadurch fast etwas Magisches hatte. Auf dem Piz Bianco 3995m erreichten wir die wärmende Sonne und begannen die Kletterei. Die beiden ausgesetzten, schwierigen Schlüsselstellen waren bald überwunden und über die frisch eingeschneiten Felsen erreichten wir schliesslich den Gipfel des Piz Bernina 4048m. Mittlerweile hatten sich die Wolken verzogen und wir konnten die warme Sonne und den Rundumblick geniessen. Mehrere Seilschaften waren über den Spallagrat bereits im Anmarsch, als wir uns an den Abstieg machten. Wir durften einigen interessanten Seilmanövern und einfallsreichen Führungsstrategien der Bergführer beiwohnen, bevor wir durch aufgeweichten Schnee hinab zum Rifugio Marco e Rosa 3597m abstiegen. Ein leckerer Espresso rundete das Tourenerlebnis ab.

Hochtour – ZS+/IV, ↗1500m, ↘450m, 6h30min.