Nach einer erholsamen Nacht starteten wir um kurz vor sechs in den klirrend kalten Morgen. Von der Chamonna das Linard 2327m folgten wir zunächst einige Minuten dem Wanderweg, querten aber bald nach rechts und erklommen über die Grassrampe den Grat etwas südlich von P.2542. Nach den ersten einfachen Metern nahmen die Schwierigkeiten bald zu und die Kletterausrüstung wurde montiert. In der wärmenden Morgensonne überkletterten wir in gutem Fels Turm um Turm. Die Kletterei war sehr abwechslungsreich, mal wurden die Türme frontal erklettert, mal traverisierten wir an der Kante hängend über dem Abgrund. Nach den beiden Abseilstellen, dem Überschreiten des Linard Pitschen 2976m und zwei weiteren Türmen mit Abstieg im Schnee auf der Nordseite erreichten wir schliesslich die Scharte bei P.3033, wo der eigentliche Südostgrat des Linard beginnt. Die Kletterei wurde nun deutlich einfacher, dafür lag auf der Nordseite des Grates, in der wir uns meistens bewegten, einige Zentimeter Schnee, so dass auch hier für Abwechslung gesorgt war. Der letzte Aufschwung erforderte nochmals Konzentration in den ziemlich ausgesetzten, schwierigen Stellen. Nach 5h30min Kletterzeit erreichten wir den Gipfel des Piz Linard 3410m und genossen die prächtige Aussicht.
Der Abstieg auf dem Südwestgrad war zunächst noch angenehm, aber der Weg durch die geröllige Südflanke war alles andere als toll. Zum Glück hatten wir eine Rinne weiter rechts gewählt, sonst hätten wir einige der Steine, die eine nachfolgende Seilschaft lostrat, abbekommen. Schliesslich erreichten wir das grosse Geröllfeld am Fusse der Wand und legten eine Mittagsrast ein. Über die Linardhütte stiegen wir durch den herbstlichen Waldwieder hinab  nach Lavin 1431m.

Hochtour – WS+, ↗1300m, ↘2000m, 4h.