Nun ja, Winter ist vielleicht zu viel gesagt. Es hatte genügend Schnee in der Südflanke, um ohne Probleme durch die Rinnen auf den Gipfel zu gelangen. Sonst haben die aktuellen Bedingungen eher etwas mit Herbst zu tun. Aber egal, man nimmt, was man kriegt in Zeiten des Klimawandels. Bis zur Hütte war der Weg schneefrei, dann fanden wir guten Trittschnee vor.

Am Vortag waren wir mit der Rätischen Bahn angereist und von Lavin 1431m zur Hütte aufgestiegen. AlpinoF’s sicherte uns mit einem Spurt zur Camonna dal Linard 2264m die letzten beiden freien Betten im Lager – eigentlich nicht verwunderlich, da es bereits drei Einträge auf bergtour.ch gab, die von guten Verhältnissen am Berg berichteten. Nachdem AlpinoM seine gute Laune dank der Unterhaltung wiedererlangte, die einige Hüttengäste aus dem Schwabenland boten (Kochen auf dem Kachelofen statt in der Küche, was ca. 3h dauerte statt 3min), wurde es doch ein netter Abend.

Um 5:30 Uhr starteten wir in die mondhelle Nacht und stiegen über die hell erleuteten Schneefelder am Lei Glims 2564m vorbei hinauf an den Fuss der mächtigen Südflanke. Durch die grosse linke Rinne an P.2938 vorbei ging’s durch guten Trittschnee in guter Spur zügig hinauf. Nur auf den letzten Stufen zum Schneefeld hinauf war der Schnee bereits abgetaut und die Schritte mit Vorsicht im brüchigen Gelände zu setzen. Im Sonnenaufgang stiegen wir durch die zweite Rinne hinauf auf den Grat und erreichten wenig später nach insgesamt 2h20min den Gipfel des Piz Linard 3410m. Es war ein wunderbarer Morgen mit herrlicher Fernsicht auf die umliegende Berge. Allerdings war der Wind doch etwas kühl und wir flüchteten wieder in die windgeschützte Flanke. Nach einer ausgiebigen Rast bei der Hütte stiegen wir im Laufschritt hinab nach Lavin, um den Zug zurück unten den Hochnebel zu erwischen. Ein wunderbares Erlebnis!

Hochtour – WS+, ↗2000m, ↘2000m.