Mitte Juni ist eine eindrückliche Zeit: bei klaren Nächten wird es nie richtig dunkel und schon früh beginnt die Dämmerung. Wir waren noch nicht weit gelaufen, als die Kegel unserer Stirnlampen langsam verblasten. Von der Hütte ging’s auf dem üppig mit blau-weissen Farben markiertem Weg Richtung Gletscher, dann über noch hart gefrorene Schneefelder bergan. Wir hielten uns unterhalb des Grates und erklommen das weite Gletscherplateau unmittelbar westlich von P.2948. Von hier zogen wir – einer alten Skispur folgend – diagonal hinüber zum Aufschwung östlich von P.3216. Steil ging’s hinauf auf den Rücken, durch ein paar Felsen und eine steile Flanke nördlich von P.3216 herum und über ein Schneefeld, durch ein paar Felsen und eine Schneerinne hinauf auf den schmalen Firngrat. In gerade Linie über die steiler werdende Flanke erreichten wir die ersten Felsen der Ostrippe. Die ersten Meter waren recht brüchig, dann wurde der Fels besser und wir genossen die Kletterei über die Rippe: es gab wunderbares Blockgelände, herrliche Risse und Verschneidungen, leicht überhängende Hangelei, sogar eine tolle Platte mit nur einem Tritt in der Mitte und fast ohne Griffe. Viel zu schnell standen wir schliesslich auf dem höchsten Punkt des Dammastocks 3630m. Die Bise blies uns jedoch bald vom Gipfel und wir seilten durch die Route wieder ab (gebohrte Standplätze alle 15-25m). Der Schnee hatte leider bereits grösstenteils das beliebte Schluschi-Stadium erreicht, der Abstieg über den Gratrücken und den Gletscher war aber noch dank guter Unterlage problemlos möglich. Bald standen wir wieder vor der Hütte und genossen die nun herrliche kühlende Bise. Der Abstieg zum Stausee war Pflichtprogramm, aber tat (zur Abwechslung einmal) nicht sonderlich weh. Alles in allem eine grossartige Plaisir-Tour.

Hochtour – 18. Juni 2017, ZS, III+, ↗1300m, ↘1950m, 12h.
Abmarsch 3:40 Uhr, Gipfel 8:40/9:05 Uhr, retour Hütte 12:50 Uhr, Stausee 16:00 Uhr.