Um 3:45 Uhr traten wir aus dem Refuge Durier 3356m hinaus in die sternklare Nacht und begannen unseren Aufstieg. Über eine steile Firn-Geröll-Rampe erreichten den ersten schmalen Firngrat, der uns an die Felsschulter führte, die wir in einfacher Kraxelei überwanden. Auf dem Bosse-Grat waren bereits die ersten Stirnlampen der Bergsteiger zum Montblanc zu sehen, als wir über einen zweiten schmaler Firngrat die Felsbastion erreichten (1h30min). In der beginnenden Dämmerung kletterten wir über die soliden und trockenen Felsen immer entlang der Steigeisenkratzer in mehreren kleinen Aufschwüngen hinauf. Die Schlüsselstelle (4a) kam uns nicht so schwer vor wie die ersten Meter der Kletterei, war aber trotzdem recht interessant zu klettern. Über leichtere Felsen erreichten wir den steilen Gipfelfirn und standen um 7 Uhr auf dem Gipfel der Aiguille de Bionnassay 4052m (3h15min). Wir genossen den Augenblick und den herrlichen Blick hinüber zum Montblanc. Vom Gipfel wanderten über den wirklich sehr ausgesetzten und teils ziemlich schmalen Firngrat hinab in den Col de Bionnassay 3888m und hinauf zum Piton des Italiens 4002m. Dank des neuen Schnees der letzten Tage war das Gehen in der guten Spur angenehm und es gab nur eine kurze eisige Stelle kurz oberhalb des Cols. Über einen weiteren Firngrat ging’s steil hinauf zu P.4154 und schliesslich zum Dôme du Goûter 4304m (5h vom Refuge). Der Tag hatte ja kaum begonnen und der Tank noch nicht leer. Also wanderten wir auf der teils mehrspurig ausgebauten Aufstiegsspur vorbei am Refuge Vallot 4362m, über Les Bosses 4547m hinauf zum höchsten Punkt des Montblanc 4810m (1h40min).

Wir waren nicht die ersten auf dem Gipfel (es kamen uns gefühlte 100 Leute entgegen), aber auch nicht die letzten: weitere Kolonnen von dick eingepackten und teils expeditionsmässig ausgerüsteten Berggängern waren auf dem Weg zum Gipfel. Nun muss aber vom höchsten Berg Europas auch irgendwie wieder runterkommen. Da der Abstieg vom Mont Maudit heute offenbar ein Abseilmanöver über Blankeis mit vielen Leuten erforderte, entschieden wir uns für den Weg über das Refuge de l’Aiguille du Goûter 3817m. Vom Gipfel waren wir schnell zur Hütten hinab gelaufen und begannen dann den Abstieg über den Klettersteig. Dieser bot einige Unterhaltung und Abwechslung in Form von interessanter Kraxelei und Duzender Bergsteiger im Auf- und Abstieg in diversen Ausrüstungs- und Leistungskategorien, die sich an den schwierigen Passagen sicherungstechnisch überboten. Vorbei an der Zeltstadt beim Refuge de la Tête Rousses 3167m und durch die Moränenlandschaft zum Nid d’Aigle 2372m (ca 4h). Hier wollten wir mit der Tramway de Montblanc ins Tal fahren, hatten aber nicht mit den zahlreichen Besuchern am Feiertag gerechnet, die die nächsten Bahnen bereits ausgebucht hatten. So mussten wir weitere eineinhalb Stunden 500m zum Bellevue 1794m absteigen, wo wir die letzten beiden Plätze ergatterten und erschöpft, aber zufrieden ins Tal hinab schaukelten. Eine grossartige Tour in beeindruckender Kulisse!

Hochtour – 15. August 2017, ZS/IV, 45°, ↗1700m, ↘3200m (ges. 13h), AlpinoM & F.D.